Umwelt
Limpiaventura ist eine Umweltinitiative auf Fuerteventura, die sich seit Jahren kontinuierlich für die Reinigung von Küsten und den Schutz der Natur einsetzt. Der folgende Artikel gibt Einblick in die Entstehung, Arbeitsweise und Wirkung des Projekts.
- Wenn eine einfache Geste zu einer Bewegung wird
Nicht alle großen Projekte entstehen aus großen Ideen. Manche beginnen mit einer einfachen, konkreten Handlung, die über lange Zeit hinweg immer wiederholt wird. Müll an einem Strand zu sammeln mag auf den ersten Blick wie eine kleine Tat wirken und löst für sich genommen kein globales Problem wie Umweltverschmutzung. Doch wenn diese Handlung geteilt, organisiert und mit Beständigkeit fortgeführt wird, kann daraus etwas sehr Großes entstehen.
Genau auf diesem Gedanken basiert Limpiaventura, eine Umweltinitiative, die 2015 auf Fuerteventura ins Leben gerufen wurde. Gegründet von Alina Kunz, zählt die Organisation heute zu den wichtigsten Akteuren der Insel im Bereich Küstenreinigung und Umweltbildung.
Vor zehn Jahren begann alles ganz spontan – fast selbstverständlich: Eine Gruppe von Freundinnen, die es leid war, die verschmutzten Strände Fuerteventuras zu sehen, beschloss zu handeln.
„Damals gab es bereits andere Initiativen zur Umweltreinigung“, erzählt Alina Kunz. „Und auch viele Menschen sammelten Müll auf eigene Faust. Doch es waren vereinzelte, kaum koordinierte Aktionen mit begrenzter Wirkung. Wir hatten das Gefühl, dass all diese Energie eine Struktur braucht, um wirklich etwas zu bewirken.“
Der Auslöser war ebenso simpel wie symbolisch. An einem Tag begann Alina allein, Müll an einem Strand zu sammeln. Je mehr sie sich zwischen Sand und Felsen bewegte, desto klarer wurde ihr, dass sie allein nicht einmal einen kleinen Küstenabschnitt wirklich sauber bekommen würde. Also bat sie Freundinnen um Hilfe.
„Die Idee kam so gut an, dass wir die Reinigungen jeden Sonntag wiederholten – fünf Jahre lang. Doch im Kern entstand alles aus einer Gruppe von Freundinnen, die nicht länger nur zusehen wollte.“
- Vom Bristol Beach zur ganzen Insel
Der erste gereinigte Strand war der Bristol Beach in Corralejo.
„Es tat mir jedes Mal weh, wenn ich daran vorbeiging und den Müll sah. Die Entscheidung fiel fast automatisch.“
Von dort aus weitete Limpiaventura seine Aktivitäten auf ganz Fuerteventura aus – und sogar bis nach Lanzarote. Der Fokus lag dabei vor allem auf der Küste. Denn nicht nur Strände sind betroffen: Strömungen und Gezeiten spülen enorme Mengen Plastik in schwer zugängliche Gebiete, zwischen Klippen und Felsen.
Mit der Zeit lernte das Team, das Meer zu „lesen“ – zu verstehen, wo und wann Einsätze sinnvoll sind. Besonders stark betroffen sind meist die Ost- und Nordküste sowie die Region rund um Cofete.
- Ein Verein aus naturbewussten Menschen
Heute zählt Limpiaventura rund 80 eingetragene Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag beträgt symbolische ein Euro pro Monat. Die Organisation der Einsätze erfolgt über eine WhatsApp-Gruppe und soziale Netzwerke.
„Die Gruppen sind immer sehr gemischt“, erklärt Alina. „Langjährige Inselbewohner, Neuankömmlinge, aber auch Touristen oder Menschen auf der Durchreise.“
So werden die Reinigungstage zugleich zu Begegnungen: Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, verbunden durch die Liebe zur Natur und den Wunsch, etwas Konkretes für die Insel zu tun.
- Ein typischer Tag mit Limpiaventura
Ein Reinigungstag beginnt meist unkompliziert und persönlich: Man trifft sich auf einen Kaffee, organisiert Fahrgemeinschaften und fährt gemeinsam zum Einsatzort.
Limpiaventura stellt das gesamte Material zur Verfügung – Handschuhe, Säcke und Werkzeuge. Die Reinigungsaktionen dauern in der Regel mindestens zwei Stunden, abhängig von den Bedingungen vor Ort.
Am Ende folgt ein besonders geschätzter Moment: das gemeinsame Essen.
„Wir essen zusammen an dem Ort, den wir gerade gereinigt haben. Jede und jeder bringt etwas mit. Es ist ein schönes Gefühl, die Landschaft zu genießen und zu wissen, dass man selbst dazu beigetragen hat, ihr etwas zurückzugeben.“
- Kinder für die Zukunft sensibilisieren
Ein zentraler Bestandteil von Limpiaventura ist die Umweltbildung, vor allem mit Kindern. Alina ist Lehrerin und verfolgt dabei eine klare Haltung:
„Ich halte wenig von rein theoretischem Unterricht, der Kinder vom echten Leben entfernt. Lernen funktioniert am besten durch Vorleben und eigenes Tun.“
Die erste Aktion mit Kindern entstand eher zufällig – mit der Schulklasse ihres Sohnes. Der Erfolg war sofort spürbar, und bald folgten Kooperationen mit vielen Schulen der Insel.
Um Kinder zu begeistern, setzt Limpiaventura auf Spiel und Theater: Die Kinder malen Meereswesen, hören Geschichten über Tiere, die in einem verschmutzten Ozean leben, und werden am Ende selbst zu Superhelden, die das Meer retten.
„Sie haben Spaß – und verstehen gleichzeitig, wie wichtig ihr Beitrag ist. Nicht nur beim Müllsammeln, sondern auch im Alltag. Dieses Bewusstsein tragen sie mit nach Hause, zu ihren Familien.“
- Mehr als nur Umweltschutz
Im Laufe der Jahre zeigte sich, dass Limpiaventura auch eine starke soziale und menschliche Wirkung entfaltet.
„Diese Arbeit hat etwas Heilsames“, erzählt Alina. „Draußen zu sein, etwas Sinnvolles mit den Händen zu tun, Teil einer Gemeinschaft zu sein – all das wirkt sich stark auf das innere Wohlbefinden aus.“
Sie erinnert sich an ein Mädchen, das traurig zu einem Reinigungstag kam. Am Ende des Tages hatte sich ihre Stimmung vollkommen verändert – sie sagte, es sei einer der schönsten Tage ihres Lebens gewesen.
Oder an einen jungen Freiwilligen, der durch die regelmäßige Teilnahme einen Weg aus einer tiefen Depression fand.
„Uns war das damals nicht bewusst. Aber das Rausgehen, die Natur und der Kontakt mit anderen Menschen haben ihm sehr geholfen.“
- Was man an den Stränden wirklich findet
Bei den Reinigungen taucht alles Mögliche auf: Jahrzehnte alte Plastikflaschen, Verpackungen, Fischereimaterial wie Netze, Seile und Bojen – aber vor allem große Mengen verhärteten Öls, das oft wie Stein aussieht.
„Und unglaublich viel Mikroplastik, besonders wenn das Meer unruhig ist und Algen sowie Sedimente anspült.“
Interessanterweise sind stark touristische Strände oft sauberer – unter anderem, weil sie weniger von Strömungen betroffen sind und viele Besucher achtsam mit der Umgebung umgehen.
- Herausforderungen und Ausblick
Trotz des Wachstums ist die organisatorische Struktur von Limpiaventura weitgehend gleich geblieben.
„Die größte Herausforderung ist heute die Arbeitsbelastung, die auf sehr wenigen Schultern liegt. Es mangelt nicht an Ideen, sondern oft an Energie.“
Die Initiative arbeitet auch mit Aufnahmeeinrichtungen für Migranten und Sprachschulen zusammen und integriert Reinigungstage in Bildungsprogramme – als Beitrag zu einem bewussteren, nachhaltigeren Tourismus.
„Es ist eine Bewegung aus der Bevölkerung heraus. Die Menschen selbst halten Limpiaventura lebendig.“
Mehr institutionelle Unterstützung wäre wünschenswert – jedoch ohne die eigene Unabhängigkeit zu verlieren.
- Wie man Limpiaventura unterstützen kann
Der dringendste Bedarf ist aktuell finanzieller Natur. Limpiaventura finanziert sich ausschließlich über private Spenden.
Spenden sind per Überweisung, PayPal oder bar möglich.
Kontakt:
+34 610 01 34 24
„Mit mehr finanziellen Mitteln würden wir als Erstes ein Schlauchboot anschaffen, um schwer zugängliche Küstenbereiche zu erreichen, in denen sich besonders viel Müll sammelt. Das wäre ein großer Schritt nach vorne.“
- Die Botschaft zum Schluss
„Allen, die Fuerteventura besuchen, sage ich: Versucht, die Insel ein kleines Stück besser zu hinterlassen, als ihr sie vorgefunden habt – nicht nur in Bezug auf Müll, sondern auch im Umgang mit Natur, Menschen und lokaler Kultur.“
Und mit einem Lächeln fügt sie hinzu:
„Zu den Freiwilligen von außerhalb sage ich immer: Willkommen! Euer Müll war schon vor euch hier und wartet bereits.“
Doch die tiefere Botschaft ist eine Einladung zum Handeln:
„Wenn wir eine andere Welt wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen und mit gutem Beispiel vorangehen. Selbst kleine Handlungen können unerwartet Großes bewirken. Limpiaventura ist der Beweis dafür.“
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